Generation Z: Nach der Zusage ins Flugzeug, dann ins kalte Wasser

Generation Z: Nach der Zusage ins Flugzeug, dann ins kalte Wasser

Es heißt, mit der Generation Z dränge eine Generation junger Menschen auf den Arbeitsmarkt, die anspruchsvoller sei, als all ihre Vorgängergenerationen. Gemeint sind die Nachfolger der vermeintlich konstant nach Sinn suchenden Generation Y, also in etwa die nach 1995 geborenen. Die ersten Mitglieder dieser der Generation, ca. 20 Jahre alt und jünger, sind gerade auf dem Arbeitsmarkt angekommen. Herzlich willkommen also!

Vereinfacht lässt sich die Generation Z aus rein technischer Perspektive wie folgt beschreiben: Es sind die Jungen, die eine Welt ohne Internet und Smartphone nur noch aus Erzählungen kennen. Dem demografischen Wandel ist es nun zu verdanken, dass sich diese Generation nahezu mühelos die besten Jobs aussuchen kann – und dass sich nun die Arbeitgeber strecken müssten, um diese jungen „High Potentials“ bei Laune zu halten. Als wären Sie das fleischgewordenene Digitalierungsversprechen.

Aber es gibt auch Zweifel an der Weltanschauung der Generation Z: Feedback ja, aber bitte nur positives. Aufmerksamkeitsspannen und eigenverantwortliches Arbeiten? Eher unterausgeprägt. Dazu hohe Gehaltsforderungen und überhaupt eine überzogene Erwartungshaltung. Das ist Kritik, aufgeschnappt im Bekanntenkreis, die einer Generation gilt, der ein gepflegtes Instagram-Profil wichtiger zu sein scheint als ergebnisorientiertes Arbeiten in spezialisierten Teams. Nicht selten habe ich in letzter Zeit gehört, wie schlecht die Arbeitsmoral dieser Jungen sei – aus dem Munde der Generation Y, gerne auch Millenials genannt, also der heute ca. 30-jährigen.

Unabhängig von gängigen Klischees und nacherzählten Büroparolen möchte ich besser verstehen, wie die Generation Z denkt und fühlt. In Gastbeiträgen und Interviews wird uns deshalb Antonia Neurauter, 23 Jahre alt und Studentin in Wien, künftig daran teilhaben lassen, wie sich der Start in die Arbeitswelt für sie darstellt. Zum Warmwerden habe ich Antonia ein paar Fragen gestellt zu Ihrem letzten Praktikum in Hamburg im Sommer 2016.

Hi Antonia! Du hast Publizistik und Kommunikationswissenschaft in Wien studiert. Wie kam es dazu, dass du ein Praktikum in Hamburg gemacht hast?

Alles begann mit einem Städtetrip. Vor gut vier Monaten, quasi als vorverlegter Bachelortrip, ging es mit einer meiner besten Freundinnen, die gleichzeitig auch meine Studienkollegin war, von Wien nach Hamburg. Dort habe ich mich sofort in die Stadt verliebt. Die Architektur ist einzigartig, dunkelrote Häuser aus Backstein soweit das Auge reicht, kleine Brücken und schmale Kanäle die sich durch die Speicherstadt schlängeln. Auf der Schanze oder am Kiez findet man Bars, Cafés, kleine Boutiquen mit Marineflair an jeder Ecke. Nach den vier Tagen wusste ich, ich muss wieder hier her.

 

Antonia Neurauter
Antonia, Jahrgang ’92, studiert Publizistik in Wien

Dein Praktikum fand dann bei ClaraVital, einem Online-Sanitätshaus, statt. Wie bist darauf gekommen?

Die Arvomed GmbH hatte einen Praktikanten für Social Media und Content Marketing gesucht. Das Profil war wie auf mich zugeschnitten. Ich bewarb mich und einige Tage danach stand ein Telefonat mit Jan, einem der beiden Chefs an. Das war mein erstes Bewerbungstelefonat und ich war dementsprechend aufgeregt. Jan, mit dem ich bereits beim E-Mailverkehr per Du geschrieben hatte, war aber sehr offen am Telefon, freundlich, interessiert und ich habe mich total wohlgefühlt.

Und wie ging es dann weiter?

Ich habe den Job bekommen! Innerhalb eines Monats hieß es dann, Zimmer in Wien vermieten, Flug nach Hamburg buchen, Unterkunft in Hamburg suchen und meinen Bachelor fertig machen. Mit Vorfreude und Ungewissheit im Gepäck ging’s dann auch ziemlich bald für zweieinhalb Monate in den Norden.

Wie würdest du deine ersten Tag im Office beschreiben?

Mit Fragezeichen in den Augen irrte ich am ersten Morgen durch die Speicherstadt. Etwas zu spät, dafür aber mit Wiener Charme und Mannerschnitten im Gepäck, bin ich doch noch rechtzeitig fündig geworden. Nach einer Begrüßung ging es schon los mit der Einführung in meine Aufgaben für den Sommer. Auf mich wartete, neben Social Media, ein eigenes Projekt. Nicht verwunderlich, denn in einem Start-Up steht an allererste Stelle, dass man viel arbeitet, neue Arbeitsbereiche übernimmt und mit Verantwortung umgehen muss. Wer das noch nicht drauf hat, wird eben ins kalte Wasser geschmissen. Genau mein Ding!

Und wie würdest du deine Aufgaben beschreiben?

Pflege und Gesundheit waren für mich ein vollkommen neues Terrain, das es zu erforschen galt. Ich musste für mich herausfinden, was das bedeutete in meinem Bereich “ Social Media und Content Marketing“? Es ging in erster Linie darum Werbung über Rollatoren zu erstellen und Texte über Pflegeartikel zu produzieren. Ein – mein – eigenes Projekt bestand darin, einen eigenständigen Ratgeber erstellen. Mein Ziel war es dabei, das Tabu rund um das Thema Inkontinenz abzubauen und den Personen, die daran leiden, das Leben mit der Einschränkung zu vereinfachen. Im Arbeitsalltag hieß das: Recherchieren, passende Produkte suchen, Expertenmeinungen einholen, Texte mehrere Male überarbeiten und fertigstellen.

Hast du noch ein paar wichtige Tipps für Neu-Hamburger parat?

Man sollte immer einen Regenschirm dabei haben, 21 Grad und Nieselregen sind beim Hamburger Sommer ganz normal! (lacht) Wer schnell neue Kontakte finden möchte der findet auf Facebook in der Gruppe „Neu in Hamburg“ Gleichgesinnte. Wer beim Sightseeing Hunger bekommt, dem empfehle ich die Fischbrötchen gibt es bei der Landungsbrücke 10 – meiner Meinung nach die besten der Stadt! Für einen Afterwork Drink sollte man die „Katze“ auf dem Schulterblatt ausprobieren. Auch am Wochenende einen Besuch wert, aber dann meistens sehr, sehr voll. Am wichtigsten finde ich, dass man sich einfach mal treiben lassen muss. Hamburg ist einfach wunderschön und die Menschen waren immer super freundlich!

 

John

John

Die Zukunft der Arbeitswelt ist mein Fokusthema. Ich möchte jetzt schon verstehen, wie Berufsleben morgen funktioniert - und die Gedanken auf Bapply.de teilen. Dafür lese ich viel über neue Organisationsformen und -modelle (Stichwort "New Work") und führe regelmäßig Gespräche mit interessanten Menschen.
John


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