Markus Väth: Das eigene Leben in die Hand nehmen und sich nicht den Schneid abkaufen lassen

Markus Väth: Das eigene Leben in die Hand nehmen und sich nicht den Schneid abkaufen lassen

Markus Väths neues Buch über Arbeit

Am 31. August 2016 ist das Buch „Arbeit – die schönste Nebensache der Welt“ von Markus Väth erschienen. Ein ziemlich provokanter Titel, stellt doch Arbeit für die wenigsten von die schönste Nebensache der Welt dar. Das Buch trägt die Unterzeile „Wie New Work unsere Arbeitswelt revolutioniert“. Es geht also auch um das Buzzword „New Work“.

Sind wir alle aufgeriebene Arbeitsbienen?

Ihr müsst mir nachsehen, dass ich das Buch noch nicht komplett durchlesen konnte. Ziemlich zu Beginn bin ich allerdings auf eine Passage gestoßen, die mich das erste Mal hat Stocken lassen, denn darin geht es um ein Thema, das mich persönlich viel beschäftigt. Zu Beginn des Abschnitts geht es um eine Bestandsaufnahme der negativen Entwicklungen unserer post-industriellen Arbeitswelt. Darin wird, wie zu erwarten war, der Beweis geführt, dass uns die allgegenwärtige Digitalisierung zu Arbeitslemmingen gemacht hat und weshalb wir es als arbeitende Gesellschaft nicht geschafft haben, unsere durch die Digitalisierung neu gewonnenen Freiheiten in sinnvoll gemünzte Arbeitszeit umzusetzen. Väths Tenor: Wir rennen seit rd. 20 Jahren zunehmend und immer schneller unserem Bild von beruflichem Erfolg und erfülltem Privatleben hinterher – und verlieren dabei das rechte Gefühl für uns selbst (und zunehmend unsere Umwelt). Diese Entwicklung werde nun noch verstärkt durch die Digitalisierung, die zu einer zusätzlichen Beschleunigung der (geforderten) Aufgabenerfüllung und einem kontinuierlichen Vermischen von Arbeit und Privatleben führe. Work-Life-Balance sei zwar ein häufig geführter Begriff, aber an der Umsetzung hapere es latent.

Plädoyer für mehr Klarheit

In dem besagten Absatz, der mich den Kommentarbleistift hat zücken lassen, fordert Markus Väth nun geistige Klarheit. Er sagt, dass der Nutzen der durch die Digitalisierung gewonnenen Freiheit über den Kosten stehen müsse, die uns die digitale Arbeitswelt beschert habe. Sobald wir diese Klarheit erlangen, dann könnten wir unsere berufliche und private Individualität ausüben und wir würden nicht mehr überwältigt werden von den nunmehr un(er)fassbaren Wahlmöglichkeiten und Kommunikationsangeboten. Die geistige Klarheit müsse man sich erarbeiten, so Väth, und das bedeute, man brauche auch mentale Disziplin. Man müsse viel mehr auch nach innen schauen, was natürlich Kraft koste, es aber Wert sei, um sich seiner persönlicher Schmergrenzen bewusst zu werden und Entscheidungen richtig zu treffen.

Entschlossenheit und Verantwortung gegen Daueralarm

Gelassene Entschlossenheit sei es, die wir brauchen, um der Arbeit einen geordneten Platz im Leben zuzuweisen. Erreichbar sein, aber nicht „daueralarmiert“. Er appelliert hier an unsere Verantwortung uns selbst und nicht zu letzt unseren Familien gegenüber. Zugegebener Weise klingt das in etwas idealistisch. Aber es ist in meinen Augen auch erst der Auftakt für eine Reihe weiterer guter Gedanken in Väths Buch.

Dieser Appell hat mich berührt, denn es geht meines Erachtens wirklich nicht nur darum, eine Balance zwischen Arbeit und Privatleben zu finden. Viel mehr – und da bin ich bei Markus Väth – sollten wir, so es die äußeren Umstände zulassen, versuchen eine eigene Dynamik im Leben zu finden und wie Väth sagt unser „eigenes Leben in die Hand zu nehmen, ohne uns den Schneid abkaufen zu lassen“. Es ginge darum, das Gefühl von Sinnerfüllung finden, „ohne uns von Organisationen oder Positionen emotional abhängig“ zu machen.

Wie stehst du dazu? Wie kann man sich geistige Klarheit erarbeiten? Hinterlasse mir einen Kommentar unter diesen Eintrag oder schreib‘ uns eine Mail an freunde@bapply.de!

 

John

John

Die Zukunft der Arbeitswelt ist mein Fokusthema. Ich möchte jetzt schon verstehen, wie Berufsleben morgen funktioniert - und die Gedanken auf Bapply.de teilen. Dafür lese ich viel über neue Organisationsformen und -modelle (Stichwort "New Work") und führe regelmäßig Gespräche mit interessanten Menschen.
John


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