Zenjob verspricht schnelles Geld für Nebenjobber

Zenjob verspricht schnelles Geld für Nebenjobber

Die App Zenjob verspricht schnelle Hilfe für Leute, die spontan einen Nebenjob suchen. Ich habe die Firma an anderer Stelle schon einmal kurz erwähnt. Weil mich das Geschäftsmodell neugierig gemacht hat, habe mich mit einem der Gründer, Stephan von Perger, über den Service unterhalten. Schnell und unbürokratisch etwas Geld dazu zu verdienen – das klingt ja erst einmal nicht schlecht.

Hi Stephan, danke für deine Zeit. Erzähl‘ kurz: Was macht ihr genau bei Zenjob?

Zenjob ist eine App, bei der sich Leute, die sich etwas dazu verdienen wollen, spontan einen Job suchen können und nach Erledigung ganz schnell bezahlt werden. D.h., wenn man Student ist oder einen normalen Job hat und sagt, ich brauche für das Wochenende oder um in den Urlaub zu fahren noch mal 100 EUR, kann man sich bei uns eine Schicht in einem Restaurant vormerken, dort arbeiten – und hat zwei Tage später Geld auf dem Konto. Zusätzlich geben wir dadurch natürlich Unternehmen die Möglichkeit, sehr kurzfristig Arbeitskraft zu buchen. Ich habe Unternehmenskunden, die sagen, ich habe am Samstag ein Sommerfest, und brauche noch zehn Helfer, die beim Aufbau der Zelte und beim Abräumen der Tische helfen. Und dann können wir spontan zehn Leuten die Möglichkeit geben, sich Geld dazuzuverdienen.

Stephan von Perger Zenjob
Stephan ist Gründer und Geschäftsführer von Zenjob

Klingt praktisch. Das heißt aber, dass die Leute nicht festangestellt sind?

Wir stellen die Leute bei Zenjob ein und wir bezahlen sie auch. Damit haben die Zenjobber die Sicherheit, dass sie ihr Geld auf jeden Fall bekommen – und dass sie es sehr schnell bekommen, weil wir uns auf die Fahne schreiben, dass wir Ihnen das Geld so schnell wie möglich überweisen. Auf der anderen Seite haben wir einen Vertrag mit den Unternehmen, denen wir einfach eine Rechnung dafür stellen, dass Leute von uns bei ihnen gearbeitet haben. Das Ganze nennt sich Arbeitnehmerüberlassung und im Prinzip kann man das auch Zeitarbeit nennen. Aber das ist nur das rechtliche Konstrukt.

Das ist dann auch schon ein großer Unterschied zu Monster oder Stepstone, denn ihr überweist den Leuten direkt Geld. Die Suchenden können nicht einfach nur Jobs bei euch finden?

Genau. Wir sehen uns als „Enabler Plattform“ für Nebenjobber. Sie können sich, nachdem sie sich einmal bei uns im Interviewprozess angemeldet haben, immer wieder selbst entscheiden, ob sie arbeiten wollen, sie müssen keinen neuen Vertrag für eine neue Beschäftigung abschließen und werden direkt von uns bezahlt.
Wir glauben daran, dass wir helfen können, wenn jemand neu in einer Stadt ist und spontan Geld braucht. Wir wollten kein Portal bauen, wo man sich anmelden kann, um dann an 100  Bewerbungen an irgendwelche Firmen rausschicken zu müssen. Wir glauben, dass es besser ist, wenn man den Suchenden direkt Angebote für kleine Jobs schickt.

Und die Leute kriegen dann auch auf jeden Fall das Geld von euch?

Ja, die Leute kriegen auf jeden Fall ihr Geld. Uns ist Verlässlichkeit enorm wichtig. Auch gegenüber den Unternehmen. Wenn bei uns jemand drei Helfern bucht, dann soll er sich auch darauf verlassen können, dass drei Helfer dort hingehen. Wenn man Gastrohelfer braucht, kommen zum Beispiel viele Leute einfach nicht, obwohl sie zugesagt haben. Wir wollen der Partner sein, bei dem sich Unternehmen sicher sein können, dass jemand kommt.
Auf der anderen Seite sind wir der vertrauensvolle Partner der Arbeitnehmer, denn wir übernehmen deren Risiko, bezahlt zu werden. Von uns kriegen sie auf jeden Fall das Geld. Gerade im Nebenjobbereich ist es enorm wichtig, dass das Geld schnell und zuverlässig kommt.

Die klassische Zeitarbeit kommt als App-Service daher
Die klassische Zeitarbeit kommt als App-Service daher.

Und wie stellt ihr das sicher, dass da wirklich immer jemand auftaucht? Es ist ja bestimmt eine Katastrophe, wenn ich ein Sommerfest veranstalte und die zugesagten Helfer kommen nicht.

Das ist das Herzstück unserer Technologie. Unsere Talents, so nennen wir unsere Zenjobber, melden sich an und füllen ein paar Datenfelder aus, z.B. was man für Tätigkeiten machen möchte, Adresse, Bankverbindung usw. Dann lernen wir die Leute persönlich kennen und wenn wir miteinander arbeiten möchten, dann sind Sie bei uns im System hinterlegt. Dann schicken wir die Leute zu den Jobs – und je nach dem wie sie sich im Bewerbungsgespräch und Job verhalten, lernen wir, wie zuverlässig sie sind und können darüber den Unternehmen eine höhere Zuverlässigkeit gewährleisten. Natürlich weiß man ganz am Anfang nicht, ob jemand jetzt wirklich zu 100 Prozent zu seinem Job kommt oder nicht – da buchen wir dann auch manchmal zwei Zenjobber. Aber es ist unsere Aufgabe und unser Kernprodukt, die Leute die bei uns auf der Plattform sind, so gut zu kennen und die Jobs die wir auf die Plattform nehmen, auch so gut zu verstehen, dass wir einen belastbaren Service bieten können.

Bewerten sich die Arbeitnehmer und Arbeitgeber gegenseitig nach einem erfüllten Job?

Wir haben explizite und implizite Wertungsmechanismen. Es gibt ein implizites Bewertungssystem, das uns sagt, dass wenn zum Beispiel jemand zu einen Job nicht kommt, wir ihn nicht wieder auf eine ähnliche Stelle buchen sollten, es sei denn, es gibt richtig gute Gründe für das Nichterscheinen. Das gleiche gilt im Übrigen auch für die Unternehmen. Wenn die hören, dass die Mitarbeiter schlecht behandelt werden, hören wir auf, mit den Unternehmen zu arbeiten, weil wir auf beiden Seiten ein vertrauensvoller Partner sein müssen. Und wir haben auch angefangen ganz explizit nach der Zufriedenheit mit den Mitarbeitern zu fragen, damit wir valide Ergebnisse darüber haben, welche Leute auf welchen Jobs die beste Arbeit erledigen.
Zum Beispiel gibt es bei uns Jobs, die eher handwerklich ausgerichtet sind oder wo es darum geht im Lager zu arbeiten. Auf der anderen Seite gibt es auch Job im House Keeping im Hotel oder im Call Center. Da passen unser Zenjobber natürlich zum Teil unterschiedlich gut für die verschiedenen Aufgaben. Wir wollen aber lernen, wer wo den besten Job macht, damit wir den Leuten auch die besten Aufgaben zuspielen können.

Was für ein Arbeitsverhältnis besteht dann zwischen den Suchenden und Zenjob? Da gibt es ja viele Ausprägungen: kurzzeitige Beschäftigtigung, Minijobber, Aushilfe, studentische Aushilfe…

Wenn du bei uns arbeitest, dann stellen wir dich immer kurzfristig beschäftigt an. Das ist die arbeitsrechtliche Form, in der wir dich für einen Nachmittag oder eine Woche für diesen einen Job einstellen. Du gehst bei uns keinerlei Verpflichtungen ein, bis du dich auf deinen Job eingebucht hast. D.h. du kannst bei uns zwei Wochen lang Jobangebote ignorieren und trotzdem danach zwei Wochen lang jeden Tag eine Schicht im Laden, Büro oder Restaurant annehmen.
Das Gleiche gilt natürlich auch für unsere Partnerunternehmen. Es gibt Partner, die buchen für jeden Tag in der Woche bei uns Arbeitskräfte und es gibt andere, die buchen nur alle drei Wochen, weil sie nur dann Bedarf haben.

In welche Bereiche vermittelt ihr denn die meisten Leute?

Wir haben wirklich breite Auswahl an Einsatzmöglichkeiten. Es gibt einige Zenjobber, die auf Scootern Essen und Trinken ausfahren und solche, die Flyer verteilen. Es gibt Talents, die in Hotels beim Frühstückbuffet helfen oder beim Bettenmachen in den Zimmern. Wir haben Leute, die Call-Center-Jobs machen oder andere Telefonjobs übernehmen, außerdem relativ viele Tätigkeiten in Restaurants und Bars. Das ist wirklich sehr breit gestreut, wichtig ist eigentlich nur, dass die Einarbeitungszeit überschaubar ist, damit auch jemand der noch nie den Job gemacht hat, auch schnell loslegen kann.

Und was verdienen deine Zenjobber dann so?

Der Verdienst kommt auf den Job an. Bei uns verdient jeder mindestens zehn Euro pro Stunde, weil wir sagen, dass gute Arbeit gut entlohnt werden soll. Für die anspruchsvolleren Jobs zahlen wir auch elf oder zwölf Euro. Wir wollen demnächst auch eine Funktion implementieren, bei der jeder Zenjobber, der gute Arbeit leistet, d.h. vor allem pünktlich und freundlich ist, auch entsprechend besser entlohnt wird.

Wie müssen eure Arbeitskräfte ihr Gehalt versteuern?

Zenjob ist der Arbeitgeber, das heißt wir stellen die Leute an. Wenn du an einem Samstag bei einem Sommerfest 80 Euro verdienst, dann werden wir dir nach der Prüfung, ob du auch tatsächlich da warst, am Montag oder Dienstag die Hälfte deines Lohns überweisen. Die anderen 40 Euro müssen wir durch unsere Lohnbuchhaltung „schleusen“ und daraus ergibt sich dann, dass du am Ende des Monats einen gewissen Prozentsatz an Steuern zahlen musst. Das kommt aber auf die individuelle Situation des Zenjobbers an. Die gesetzlichen Abgaben müssen wir natürlich abführen und überweisen dir dann am Ende des Monats den Rest. Uns ist wichtig mit der Zeit zu lernen, wie viel Geld wir dann für jeden Mitarbeiter wirklich zurückstellen müssen, damit wir so viel wie möglich unmittelbar nach dem Einsatz bezahlen können.

Zenjob

Nochmal ein anderes Thema: wie seid ihr denn ursprünglich dazu gekommen, mit Zenjob Aushilfsjobs zu vermitteln, wer steckt dahinter und wo wollt ihr einmal hin?

Wir sind vier Gründer, wohnen alle in Berlin und arbeiten seit circa einem dreiviertel Jahr an Zenjob. Seit April 2016 vermitteln wir Aushilfen an verschiedene Kunden in Berlin.
Wir haben auf jeden Fall relativ große Ambitionen. Wir glauben, dass der klassische Nebenjob, den viele neben dem Studium haben, der Ausgangspunkt ist und dass auch darüber hinaus viele Menschen bei uns eine  Möglichkeit finden,  etwas Geld dazu zu verdienen. Da kommen natürlich Stichworte wie die „On Demand Economy“ und „Gig Economy“ ins Spiel und das finden wir alle sehr spannend. Das sind natürlich Buzzwords, aber die Spontanität und die Aufteilung der Jobs in kleine Teile ist etwas, was die Arbeitswelt tatsächlich stark verändern wird, insbesondere bei Tätigkeiten, für die man nicht eine lange Einarbeitungszeit oder Spezialistenwissen braucht.

In was für einem Wettbewerbsumfeld seht ihr euch?

In einem sehr spannenden (lacht)! Die Unternehmen sehen uns als Zeitarbeitsfirma, die eine coole Website hat und die  schneller und kurzfristiger agiert als alle anderen. Für die Talents sind wir eine völlig neuartige Art zu arbeiten. Und für wieder andere sind wir ein Tech-Startup, das bei Venture Capitalisten Geld einsammelt, um schnell zu wachsen.
Vor allem als Tech-Startup sind wir natürlich ein Player von vielen, die im Bereich Recruiting, HR und Job Discovery versuchen, neue Dinge auszuprobieren. Da gibt es einige, die sehr spitz agieren und nur hochspezialisierte Arbeitskräfte vermitteln und es gibt solche, die den Leuten dabei helfen, schneller bessere Jobs zu finden, obwohl sie vielleicht gar nicht auf der Suche sind. Wir haben uns das nicht so spezialisierte Ende ausgesucht, es bietet für uns viel mehr spannende Möglichkeiten. Man sieht es in Großstädten wie Berlin: da hängt in fast jedem Restaurant ein Gesuch für eine Aushilfe. Wir haben uns gedacht, dass wir doch diejenigen zusammenführen müssten, die gerade eine Aushilfe suchen mit denen, die eigentlich gerne etwas dazu verdienen würden. Dafür haben wir die Plattform gebaut, um diese Leute über einen Algorithmus optimiert zum richtigen Zeitpunkt  für den richtigen Job zusammenzubringen.

Werdet ihr nicht überflüssig, wenn sich Auftraggeber und Jobber gefunden haben?

Nein, denn wir übernehmen ja den ganzen Papierkram und den Abrechnungsaufwand, den zurecht keiner haben will. Da sind wir einer der wenigen Anbieter in Europa, die das genauso machen. In Deutschland sind wir meines Wissens sogar die einzigen, die mit diesem Ansatz operieren. Ich denke auch, dass in diesem Bereich viele Firmen ihren Platz finden werden, sowohl alte als auch neue Firmen. Mir ist nur wichtig, dass die Leute, die spontan einen Job suchen, auch eine gute Arbeit finden können.

Und wie groß ist Zenjob heute?

Wir haben Ende 2015 angefangen an der Plattform zu arbeiten und den Code für die App und Website zu schreiben, wo die verfügbaren Schichten, die Talents und die Unternehmen zusammengeführt werden. Wir haben da z.B. einen digitalen Stundenzettel in der App und ganz viele andere coole Sachen, die im Moment bei anderen Firmen noch „papierbasiert“ sind.
Die Arbeit am Code brauchte zum Start viel Zeit. Danach haben wir im April 2016 angefangen, die ersten Jobs zusammen mit Unternehmen und Zenjobbern abzuwickeln. Dabei haben wir ganz viel gelernt und seitdem unwahrscheinlich viel optimiert. Jetzt haben haben wir schon einige regelmäßig buchende Kunden sowie ein paar hundert Zenjobber auf der Plattform, die bei uns regelmäßig arbeiten. Aber wir sind immer noch dabei, den Service zu verbessern, sowohl für die Unternehmen als auch für die Talente.

Glaubst du, dass das die App-basierte Jobvermittlung vor allem ein urbanes Thema ist oder würdet ihr auch außerhalb von Städten funktionieren?

Gute Frage. Wir sprechen intern viel darüber, wie wir mit dem Modell, das wir jetzt für Berlin in einem frühen Stadium in Betrieb haben, auch in andere Städte oder andere Länder gehen könnten. Ich glaube, wichtig für unser Modell ist eine gewissermaßen Technik-affine Talentgruppe, d.h. sie brauchen ein Smartphone und müssen schnell auf unsere Push-Notifications reagieren, sonst funktioniert unser Modell nicht.  Unser Anspruch ist schließlich, dass wir den Unternehmen innerhalb von zwei, drei Stunden eine Handvoll qualifizierter Helfer schicken können. Ich glaube aber, dass sowohl Mitarbeiter- als auch Jobsuche universelle Themen sind, die  eigentlich überall funktionieren sollten. In der Stadt ist es natürlich einfacher durch die Dichte die Unternehmen und die große Zahl der Leute da die richtigen zusammenzubringen.

Ihr versteht euch also erst mal nur als Berliner Vermittler – und für Hamburg würde ich jetzt noch nichts auf eurer Website finden?

Wir sind im Vergleich zu vielen anderen Technologie-Startups, die nur eine Software bauen und die dann global vermarkten eigentlich das genaue Gegenteil. Wir lernen die Leute tatsächlich persönlich kennen und schicken die dann zu echten Jobs raus, die in der echten Welt passieren. Deswegen ist es gar nicht so einfach für uns schlagartig in ganz Deutschland präsent zu sein.
Im Moment sind wir in Berlin, aber wir testen natürlich auch immer wieder mal andere Städte – einfach um auszuprobieren, wie wir unsere Expansion eines Tages einmal vorantreiben könnten.

Das heißt, es könnte sein, dass ich mir hier in Hamburg irgendwann ein Ladenlokal mieten kann und dann für Zenjob Mitarbeiter akquiriere und über die Plattform dann Tätigkeiten vermittelt werden?

Joa – das könnte passieren (lacht)!

Stephan, vielen Dank für das Gespräch!

John

John

Die Zukunft der Arbeitswelt ist mein Fokusthema. Ich möchte jetzt schon verstehen, wie Berufsleben morgen funktioniert - und die Gedanken auf Bapply.de teilen. Dafür lese ich viel über neue Organisationsformen und -modelle (Stichwort "New Work") und führe regelmäßig Gespräche mit interessanten Menschen.
John


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